Im Dezember wurde das neugebaute St. Vinzenz Hospiz in Augsburg eingeweiht.
Hoffnungszeichen setzen Akzente.

„Räume für ein würdevolles Leben bis zuletzt“ Neubau des St. Vinzenz-Hospizes in Augsburg
Die Eröffnung des Neubaus des Augsburger St. Vinzenz-Hospizes feierte der Verein gemeinsam mit Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml, Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa und zahlreichen Ehrengästen.
Beim Festakt im Vinzenz-Saal des neuen Hospizgebäudes an der Zirbelstraße begrüßte Domkapitular Zürn viele Gäste, Wegbegleiter und Unterstützer. Er dankte allen, die mit gesellschaftlicher, politischer, finanzieller und anderweitiger Unterstützung dazu beigetragen haben, den Neubau zu realisieren und den Lebensauftrag des St. Vinzenz-Hospizes zu unterstützen, Schwerstkranken Beistand zu leisten.
Hoch erfreut über die Eröffnung zeigte sich auch Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml. Für sie sei wichtig, dass das Hospiz kein Sterbehaus sei, sondern ein „Haus des Lebens – Sterben ist ein Teil des Lebens“. Mit klaren Worten distanzierte sie sich dagegen von aktiver Sterbehilfe, die ihrer Meinung nach oft aus Angst vor dem Sterben entstehe. „Ein Tag wie heute ist daher wichtig“, betonte Melanie Huml. „Er ist ein Baustein gegen aktive Sterbehilfe.“ Das Hospiz sei eine Lösung, um Menschen aufzufangen und mitzunehmen. „Es bietet Räume und Möglichkeiten, um das Leben bis zuletzt würdevoll zu leben.“
Den kirchlichen Segen spendete Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa dem neuen Gebäude, den Menschen, die dort betreut und gepflegt werden sowie auch den Menschen, die sich im St. Vinzenz-Hospiz mühen, um Beistand zu leisten und in aller Breite und Fülle tätig sind.
Großen Anklang fand bei den Ehrengästen die Führung durch die Räumlichkeiten des Neubaus. Wie gut schwerkranke Menschen im St. Vinzenz-Hospiz tatsächlich umsorgt sind, wurde bei einem persönlichen Besuch im Zimmer eines Gastes deutlich.
Mit dem Neubau hat das St. Vinzenz-Hospiz eine Erweiterung von 9 auf 16 Betten geschaffen. Zur Finanzierung des 6,5 Millionen Euro teuren Neubaus haben Zuschüsse der Diözese Augsburg (2,6 Millionen Euro) sowie von verschiedenen Stiftungen beigetragen. Rund 2 Millionen Euro muss der Verein aus Eigenmitteln, Spenden und mit einem Darlehen über 800.000 Euro finanzieren.

Meine Arbeit:
Gern beschreibe ich meine Arbeiten als „Hoffnungszeichen“. Sie verbinden Holz und Glas auf eine Art und Weise, die viele Menschen mit der eigenen Lebenserfahrung in Berührung bringen.
Die Objekte strahlen Freude am Leben aus, das als Geschenk wahrgenommen werden kann. Sie bringen auch Schmerz, Leid und Tod zum Ausdruck und verweisen gleichzeitig immer darüber hinaus.

Mein Zugang zum Hospiz:
Vor mehr als 10 Jahren wurde mein Nachbar unheilbar krank. Seine Frau erzählte mir, dass ihr Mann und sie beschlossen hatten, dass sie diese Lebenszeit im St. Vinzenz Hospiz in Augsburg verbringen werden. Mir war es ein Anliegen, Ihnen ein Hoffnungszeichen mit auf den Weg zu geben. Seine Frau erzählte mir, wie ihrem Mann dieses Zeichen im Sterben gut getan hat, bei der Beerdigung war es der Bezugspunkt für die Ansprache und die Feier. Berührt und erfreut von dieser Resonanz schenkte ich dem Hospiz ein Psalm 23 Motiv.
Vor 10 Jahren erkrankte meine Mutter unheilbar, das Wissen um das Hospiz und Gespräche mit H.H. Domkapitular Josef Heigl halfen uns, sie vor aussichtslosen Behandlungen zu bewahren. Ein vierwöchiger Aufenthalt im Hospiz ermutigte uns, sie Zuhause im Sterben zu begleiten. So bin ich sehr berührt und dankbar für das Vertrauen, an der Gestaltung des neuen St. Vinzenz Hospiz mitwirken zu dürfen. Ich bedanke mich sehr herzlich für die, ja ich will es so sagen, für die wunderbare Zusammenarbeit!

Zugänge zu den Objekten:
Objekt: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen“ Jes. 43,1
Immer wieder kommt es, wenn ich mir zugetragene Baumstämme, wie diesen Weidenstamm ins Sägewerk bringe, zu „Offenbarungen“: in diesem Fall tritt ein in offenes Herz zutage. Dieses Herz mit rotem Glas hinterlegt, strahlt Liebe und Geborgenheit aus. Das St. Vinzenz Hospiz möchte dieser Liebe und Geborgenheit Zeit und Raum geben, damit Gäste, in diese Weise begleitet von Angehörigen und Personal, ihr Sterben gut leben können. Im christlichen Verständnis ist der Tod nicht das Ende, sondern der Beginn einer neuen Wirklichkeit bei Gott. So gilt der Satz aus dem Buch des Propheten Jesaia „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ für die Lebenden und in besonderer Weise für die Verstorbenen. Das Objekt ist beim Eingang in den Gästebereich platziert, um Besucher*innen auf den Tod eines Gastes aufmerksam zu machen. Im Buch sind Erinnerungen von Angehörigen an ihre lieben Verstorbenen aufgezeichnet.

Objekt: Mit dem Abend beginnt der neue Tag
In der biblischen Tradition wird der Abend als Beginn des neuen Tages verstanden. Dieses Verständnis gestaltet eine andere Wirklichkeit, nicht das Ende wird fokussiert, sondern der Beginn, der Neuanfang. Die Brüchigkeit und die Endlichkeit des Lebens wird wahrgenommen und doch stehen Vertrauen und Hoffnung im Vordergrund. Dieses Verständnis entspricht dem christlichen Glauben an die Auferstehung.

Hoffnungszeichengalerie
Auf der Westseite erstreckt sich eine lange Fensterfront. Die Fensterbank dient als Ausstellungsraum, in dem verschiedene Hoffnungszeichen ihren Platz finden. Gerade am Abend werden sie von der untergehenden Sonne besonders beleuchtet. Kein „Bitte nicht berühren“, Gäste sind eingeladen, ein ihnen bedeutendes Hoffnungszeichen in ihr Zimmer zu holen.

Lebensraum – Garten
Wohl gerade im Sterben wird deutlich, wie wertvoll das Leben ist. Die Natur möchte uns auf das Geschenk des Lebens aufmerksam machen und uns daran erinnern, wie vielfältig und wunderbar das Leben ist.
So wurden im Garten verschiedene Akzente gesetzt, die Gäste, die Angehörigen und das Personal mit dem Leben in Berührung bringen.
Blühendes Leben: Blumen und Sträucher, eine Blumenwiese und Obstbäume, ein Insektenhotel und Nisthilfen, die das Volkslied „Alle Vögel sind schon da“ erinnern.
Wasser als Quelle des Lebens: Der Quellstein, der Leben im steinigen Umfeld ermöglicht, eine Brunnenstele, die das Wasser sprudelnd hervorbringt und eine schön gestaltete Wasserstelle, die den Wert des Wassers deutlich macht.
Begegnungsraum Garten: Für den Hospizgarten wurden eigens Sitzgelegenheiten mit dem Namen „Zuwendung“ gefertigt. Die Gestaltung und der Name zeigen an, worum es im menschlichen Leben geht: Verständigung, Zuwendung, Vertrauen. Die drehbaren „Stuhlstelen“ helfen, die richtige „Einstellung“ zum Gesprächspartner*in zu finden. Ihn ihnen wurde der Psalm 23 umgesetzt: die Freude über das Leben und die Hoffnung auf einen Lichtblick, wenn es schwer wird. Um einen Mahlstein, mit dem Getreide zum Mehl vermahlen wird, aus dem Brot gebacken wird, ist eine Rundbank gestaltet. Das Ensemble möchte daran erinnern, was Menschen letztlich brauchen: Brot und Liebe.
Spielplatz: Was gibt es schöneres, als Kindern beim Spielen zuzuschauen? Welche Ernsthaftigkeit und Intensität, welche Lust und Freude, Spielen eine Verdichtung von Leben. Den Kindern zuschauen und sich an ihnen freuen, den Kindern zuschauen und sich des eigenen Kindseins erinnern.