Projekt Beschreibung
Der Kerzenlichtertisch in der Christophorus-Kapelle im Therapiezentrum Burgau (TZB)
von Michael Pindl, Krankenhausseelsorger
Martin Knöferl hat die Gestaltung des Kerzenlichtertisches übernommen und im Sommer 2026 herrlich ausgeführt. Mit der Unterstützung vieler Spender (die kath. und die evangelische Kirche, die Gemeinde Burgau, die Pfarreiengemeinschaft Burgau, der Förderverein des Therapiezentrums und viele einzelne Personen) konnte dieses Kunstwerk in der Kapelle des TZB errichtet werden. Das von Martin Knöferl verwendete Material – Messing – spiegelt sich im Altar, im Ambo und im Tabernakel. Es schafft sozusagen eine Verbindung zu anderen wichtigen liturgischen Orten in der Kapelle und formt somit das Kapelleninnere zu einem stimmigen Ganzen.
Zentral an dem Kerzenlichtertisch ist natürlich der Bereich, an dem Kerzen aufgestellt, gewissermaßen entzündet werden können. Im 6. Kapitel des Mt-Evangeliums heißt es „Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“ (Mt 6,8) Das ist die christliche Überzeugung. Aber wir sind aus Fleisch und Blut und wir benötigen Rituale, Formen, Anschauung, um das nachvollziehen zu können, was wir im Glauben bekennen: Im Entzünden von Kerzen bitten wir um die gnädige Unterstützung Gottes, dessen Nähe uns von Jesus selbstverständlich zugesagt wurde.
Die leuchtenden Kerzen spiegeln sich im polierten Hintergrund und somit wird das Leuchten der Kerzen förmlich gedoppelt. Das ist eine schöne Darstellung des göttlich-menschlichen Resonanzgeschehens. Gott ist es selbst, der in uns ein Licht entzündet – und dieses Licht spiegelt sich immer wieder – oft in ganz unscheinbarer Weise – in unserem Alltag, in unserem Leben.
Wenn wir an Opferkerzenständer denken, dann haben wir manchmal das Klingen des Opfergeldes in einem Opferkästchen in den Ohren. In dem neu errichteten Kerzenlichtertisch wurde bewusst auf eine Opferkasse verzichtet. Der erste Gedanke war, keine Gelegenheit zu einem Raub bieten zu wollen. Aber im Hintergrund stand vermutlich ein viel tiefer gehender Gedanke: In seiner Tempelreinigungsaktion, die von allen vier Evangelien überliefert wurde, demonstriert Jesus, dass Gott nicht käuflich ist und ihm auch keine Opfer dargebracht werden müssen. Denn er ist schon unser Heil gewährendes Gegenüber, lange bevor wir ihn darum bitten. So macht es Sinn, kein Opferkästchen zu installieren.
Neben dem Kerzenlichtertisch befindet sich ein kleines Schreibpult. In das dort liegende Buch können Patient:innen und Angehörige – aber natürlich alle Besucher:innen der Kapelle, denen etwas auf dem Herzen liegt – ihre Anliegen, ihren Dank, ihre Verzweiflung formulieren. Mit „Mir von der Seele schreiben“ ist dieser Ort, ist dieses Schreibpult überschrieben. Das Schreiben ist eine Möglichkeit, das, was in einer/einem innerlich lebendig ist, auszudrücken. Mancher Zusammenhang wird erst im Schreiben ersichtlich. So ist dieses Schreibpult eine sinnvolle Ergänzung des Kerzenlichtertisches.
Und schließlich. Der Kerzenlichtertisch ist verbunden mit der Pieta, die schon immer die Kapelle im Therapiezentrum schmückte. Auch diese Integration geschah nicht zufällig. Natürlich geht es hier um eine besondere Ehrerbietung an Maria und an Jesus, ihren Sohn. Aber diese Einbindung der Pieta bedeutet noch mehr. Sie ist ein deutliches Zeichen dafür, dass es in unserem Leben etwas gibt, das über das Messbare, das über das Materielle hinausgeht. Sie ist ein herrliches Zeichen dafür, dass es einen unsagbaren tragenden Grund in unserem Leben gibt, der unser Dasein erleuchtet und vor dem wir uns fromm, pietätsvoll verneigen.
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